16.08.2021

Waldbegehung der Karlstadter und Zellinger Grünen

Links: Bundestagsdirektkandidat Armin Beck, rechts: Diplom- Forstingenieur Peter Kretzinger

Das Thema Wald wird von uns Grünen nicht erst diskutiert, seit die Schäden des Klimawandels in den letzten Trockensommern deutlich erkennbar wurden, so Armin Beck zur Begrüßung der fast 30 Interessierten, die trotz Regen der Einladung der Ortsverbände Karlstadt und Zellingen von Bündnis 90 / Die Grünen gefolgt waren. Der Bundestagsdirektkandidat des Wahlkreises Main-Spessart / Miltenberg freute sich, dass mit dem Diplom Forstingenieur, Peter Kretzinger, ein ausgewiesener Fachmann für dieses Thema gewonnen werden konnte. Denn gerade in Zeiten von Fake-News müssten Fachleute und nicht „Querdenker oder Wutbürger“ die Politik antreiben, so Beck zur Begrüßung.

Kretzinger wies zu Beginn der ca. zweistündigen Begehung im Zellinger Forst auf die Bedeutung des Waldes für den Menschen hin. Neben Sauerstoffproduktion und CO²-Speicherung bietet der Wald Erosionsschutz, speichere Wasser und schütze so auch die Wasserversorgung. In seinem Kleinklima gedeihen viele seltene Pflanzen und Tiere, hob Kretzinger die Bedeutung des Waldes für die Artenvielfalt hervor. Auch dient der Wald als Erholungs- und Rückzugsraum für uns Menschen und die Nutzung des Waldes zur Freizeitgestaltung nimmt einen breiten Raum ein. Derzeit sei ca. ein Drittel der Landfläche mit Wald bedeckt. Obwohl der Wald in der Vergangenheit zumindest in Teilflächen schon in schlechterem Zustand gewesen sei, ließen sich die Einflüsse des Menschen und des Klimawandels deutlich erkennen. Seit langem schon seien die Waldflächen in Mitteleuropa an die menschlichen Bedürfnisse angepasst worden. Wald sei heute eher Agroforst als Urwald, führt Kretzinger aus. Wurde der Wald früher oft als Tierweide, zum Sammeln von Beeren, Pilzen, Reisig oder Einstreu genutzt, steht heute die Nutzung des Waldes als Lieferant für den Rohstoff Holz im Vordergrund.

Trotz des diesjährigen nassen Sommers musste der Förster immer wieder an stark geschädigten Bäumen zeigen, welche Auswirkungen der Klimawandel mit seinen Trockenperioden und der Hitze der vergangenen Jahre auf unseren Baumbestand hat. Neben den steigenden Temperaturen habe der Wald auch mit den Stickoxiden aus Industrie Verkehr und Heizanlagen zu kämpfen. Auch werden immer wieder Waldflächen für Industrie- und Gewerbegebiete geopfert. Stellenweise wirke sich auch ein hoher Wildbestand durch Verbiss negativ auf Jungkulturen aus.

Kretzinger betonte, dass die Wälder in Mainfranken seit Jahren relativ naturnah bewirtschaftet werden, da es einen hohen Anteil standortheimischer Laubbaumarten gibt. Es sind und relativ wenig flächige Nadelbaumforste vorhanden, diese seien anfälliger für Borkenkäfer und Sturmschäden, führte er aus.

Unser Wald hat eine Perspektive, ist er überzeugt, aber er werde sich auch verändern und anders aussehen als wir ihn kennen. Dabei dürfen wir nicht auf eine neue „Wunderbaumart“ setzen, die den Wald rettet, auch technische Lösungen wie Bewässerung, Einsatz von Pestiziden usw. sind nur bedingt erfolgversprechend.

In der Diskussion stehen immer wieder naturnahe Bewirtschaftung versus totaler Unterschutzstellung, wir müssen uns bewusstmachen, dass der Wald ein langlebiges komplexes System ist, das wir als Ganzes und Dauerhaftes sehen müssen. Nutzung ist nach Ansicht des Försters durchaus möglich, denn gerade eine nachhaltige Holznutzung bietet Vorteile gegenüber klimaschädlichen Baumaterialien wie Zement, Stahl und Aluminium. Allerdings müsse die Nutzung behutsam so erfolgen, dass das Waldgefüge erhalten bleibe, eine vorsichtige Anreicherung mit Baumarten anderer Herkunft und die Naturverjüngung wo immer möglich bieten dafür die besten Voraussetzungen.

Wenn wir dies beachten und auch immer wieder Biotopbäume und Totholz im Wald belassen, so ist sich Kretzinger sicher dass, dass unser Wald im Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur bestehen kann.

Anja Baier, die Ortsvorsitzende aus Karlstadt bedankte sich am Ende bei Peter Kretzinger: „Man merkt, dass Du Deinen Beruf mit ganzer Leidenschaft ausübst, das ist wunderbar“

Zum Abschluss des Rundganges kehrten die mittlerweile völlig durchnässten Zuhörer noch im Gasthaus Vogelsang ein, um dort weiter über das Thema Wald zu diskutieren.

URL:https://www.gruenemsp.de/vor-ort/karlstadt/karlstadt-einzelansicht/article/waldbegehung-der-karlstadter-und-zellinger-gruenen/