13.07.2021

Pressemitteilung zur B26n/ Stadtratssitzung am 30. Juni - !!!

Pressemitteilung zur B26n/ Stadtratssitzung am 30. Juni

Bündnis 90/ Die GRÜNEN Lohr, 08.07.2021

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Ortsverband Lohr

Bärbel Imhof

Partensteiner Str. 30

97816 Lohr a. Main

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Die Lohrer GRÜNEN haben sich in ihrer Versammlung am Donnerstag in Sendelbach intensiv mit der Informationssitzung des Stadtrates zu B26n beschäftigt.

Der Stadtrat sollte am letzten Mittwoch umfänglich über die Auswirkungen der B26n inklusive der MSP-Spange informiert werden, um eine Entscheidung zu treffen, ob die Stadt weiterhin positiv zu diesem Projekt steht oder ob sie sich mit den Umlandgemeinden solidarisieren und der Bürgerinitiative gegen die B26n beitreten soll – wie es von den GRÜNEN und der ÖDP mittels Antrag gefordert wurde. Dabei wurde das Gremium mit völlig neuen Zahlen bei den induzierten Verkehrsströmen überrascht. Die Zahlen waren z.T so abweichend zu den bisherigen Veröffentlichungen des staatlichen Bauamtes, dass nicht nachvollziehbar war, wie diese zustande kamen. Selbst in der Sitzung standen noch die alten Zahlen im Internet. „Wir hatten nicht den Hauch einer Chance, uns im Vorfeld der Sitzung mit dem neuen Zahlenmaterial zu befassen“, so Stadträtin Bärbel Imhof.

Ulrike Röder wiederholte ihre Einschätzung, mit der sie bereits in der Sitzung den Verkehrsplaner des staatlichen Bauamts konfrontierte: „Wenn die bisherigen Zahlen zum Beispiel am östlichen Ortseingang von Steinbach eine Zunahme der Kfz von 1100 im Vergleich des Status Quo zum Prognosebezugsfall ohne B26n im Jahr 2035 waren und nun auf 1500 erhöht wurden, gleichzeitig aber die Auswirkungen der Bauabschnitte 1 und 2 bisher zu einem Anstieg von 2900 Fahrzeugen führten und nun mit 1400 sogar unter dem hochgerechneten Status Quo liegen, dann kann man sich des Verdachts nicht erwehren, dass hier etwas schön gerechnet werden soll.“

Kritische Nachfragen zu dieser Vorgehensweise, wurden mit dem Hinweis vom Bürgermeister kommentiert, wer diese Zahlen anzweifelt, hätte kein Interesse an einer sachlichen Diskussion. „Das war eine Überrumpelung erster Klasse“, so Stadtrat Wolfgang Weis.

Überrascht wurde der Stadtrat auch mit dem prognostizierten Anstieg der Bevölkerungszahlen um 1100 Einwohner bis zum Jahr 2035, der mit der Erschließung von Gewerbe- und Baugebieten begründet wurde. Eine schier abenteuerliche Annahme, da der Stadtrat aufgrund der topographischen, naturschutzfachlichen und finanziellen Auswirkungen längst Abstand von solchen Ausweisungen – wie zum Beispiel der Waldsiedlung oberhalb von Sackenbach - genommen und sich auf die wesentlich zielführendere Innenentwicklung konzentriert hat. „Diese Darstellung widerspricht allen Bemühungen der letzten Jahre, die Entwicklung der Innen- Stadtquartiere voranzutreiben und öffnet verantwortungslosem Flächenverbrauch Tor und Tür“, kritisiert Stadtrat Clemens Kracht. Alleine die Entwicklung des Baugebietes in Sendelbach habe 20 Jahre gedauert. Man müsse sich mit Nachdruck um die Nachnutzung des Klinikareals kümmern, anstatt von neuen Baugebieten zu träumen, fordern die GRÜNEN.

Die Stadträte kritisierten in der Versammlung zudem, dass die konkrete Frage, wieviele Fahrzeuge zusätzlich durch die B26n nach Lohr rollen werden, ausgewichen wurde. Die einzig klare Antwort kam vom Planer Kopperschläger, der sagte, dass auf der dritten Mainbrücke täglich 9700 Fahrzeuge anbranden werden. Wie sich diese Fahrzeuge dann im Stadtgebiet verteilen werden, blieb unklar. Zudem fasste er die Auswirkungen des Straßenbau Projektes so zusammen, dass die Bauabschnitte 1 und 2 den Verkehr nach Lohr holen, für den der Bauabschnitt 3 in Form der MSP-Spange dann eine Lösung bringe.

Die größte Gefahr für die Situation in Lohr benannte laut Stadträtin Röder der Fachbereichsleiter des Staatlichen Bauamts Hecke: der Finanzminister entscheide am Ende über die Realisierung der Projekte und so gäbe es keine Garantie, dass nach Bauabschnitt 1 und 2 auch die MSP-Spange als Bauabschnitt 3 folge und Lohr wieder vom Transitverkehr entlaste.

Wichtige Informationen vorenthalten Massive Kritik üben die GRÜNEN daran, dass die wichtigsten Informationen vorenthalten wurden. Obwohl im Vorfeld der Sitzung zugesichert wurde, alle Fragen der GRÜNEN, die in ihrem Antrag gestellt wurden, gewissenhaft zu beantworten, klammerte man die Natur- und Umweltzerstörung im Buchental und am Romberg schlichtweg aus. Ausgerechnet da, wo die B26n die gravierendsten Auswirkungen auf die Stadt Lohr haben wird, wurden Informationen verweigert.

Es war das Straßenbauamt selber, dass vor 2 Jahren die Stadt Lohr zu einer Stellungnahme aufforderte, welche Linienbündel für die MSP- Spange welche Flächenverbräuche haben werde und welche Zerstörungen das für Fauna- und Flora bedeuten wird. In der Stadtverwaltung liegen seit Wochen die Stellungnahmen des Forstamtes, der Stadtwerke, des Stadtbauamtes und der Umweltstelle vor. Wir hätten von einem grünaffinen Bürgermeister selbstredend erwartet, dass er mit der gleichen Gewissenhaftigkeit diese Stellungnahmen zumindest zur Kenntnis geben werde, so Mathilde Lembach. Der Variantenvergleich für die MSP- Spange liegt längst vor und der Bürgermeister hätte dem Stadtrat ohne weiteres einen Überblick über diese Varianten geben können. Dann wäre das Ausmaß an Flächenvernichtung für die verschiedenen Varianten offenbar geworden. Diese Stellungnahmen wurden jetzt nach Drängen der Grünen Fraktion fast eine Woche nach der Sitzung weitergeleitet.

„Es liegt doch auf der Hand, warum diese Informationen nicht gegeben wurden. Die Kehrseite dieses umwelt- und klimaschädlichen Projektes ist unbequem, unangenehm, dreckig und laut“, schlussfolgert Andreas Paff. Besonders bestürzend findet Paff, dass man ohne mit der Wimper zu zucken bereit ist 400 Mio€ für 41 km Straße auszugeben. Das sind die Kosten nach derzeitigen Stand laut Herrn Hecke vom staatl. Bauamt. Das bedeutet 10 Mio€ für jeden Kilometer. Mit soviel Geld könnte man im Umkreis alle Straßen sanieren, Ortsumgehungen und Radwegenetze bauen, alle Bahnhöfe sanieren, Schienen reaktivieren und den ÖPNV rund um die Uhr fahren lassen.

Während bei modernen Mobilitätskonzepten vorallem von den konservativen Kräften jeder Euro argwöhnisch beäugt wird, hat man kein Problem damit für Straßen Unsummen an Geld auszugeben. Diese Unverhältnismäßigkeit ist leider noch in vielen Köpfen verankert und verhindert eine zeitgerechte und klimanotwendige Verkehrswende.

„Um unsere Verkehre vernünftig zu ordnen, die Altstadt vor Durchgangsverkehr zu schützen, den äußeren Tangentenring sinnvoller für die Ableitung der LKWs zu nutzen, brauchen wir keine B26n und keine MSP- Spange“ ist sich Vorsitzende Imhof sicher. Das hat Herr Novak vom Planungsbüro im Planfall 1 deutlich herausgearbeitet. „Mit zielgerichteten innerstädtischen Maßnahmen kann man all diese Effekte erreichen, ohne wertvolle Heimat und Landschaft zerstören zu müssen“.

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