Auf dem Foto von links nach rechts: Handwerkskammer-Präsident Hugo Neugebauer; MdB Christine Scheel; Moderator

Wie können wir unsere Gesellschaft sozialer und gerechter gestalten? Diese Leitfrage diskutierten bei einem Diskussionsforum der Kreisgrünen am Freitagabend im Pfarrheim St Michael MdB Christine Scheel, stellvertretende Vorsitzende der GRÜNEN-Bundestagsfraktion, KAB-Referentin Sabine Schiedermair, Handwerkskammer-Präsident Hugo Neugebauer und Matthias Reinig, Pressesprecher der Schott AG. „DIE GRÜNEN sind damit die einzige Partei im Landkreis, die der Bevölkerung ein inhaltliches  Angebot gemacht haben“, stellt Bundestagsdirektkandidat Heiko Schmidt (Urspringen) fest.

"Alle sagen, es kann so nicht weitergehen! Was müssen wir ändern?" Diese Frage formulierte Moderator Edmund Gumpert, Umweltbeauftragter des Bistums Würzburg, eingangs. Innerhalb der zweisündigen Diskussion wurden einige Konturen sichtbar.

MdB Scheel stellte den "grünen neuen Gesellschaftsvertrag" vor. Bündnis 90/DIE GRÜNEN wollen eine soziale Marktwirtschaft, die ökologisch und vor allem nachhaltig ausgerichtet ist.

Sie schätzte die Kosten des Klimawandels  wesentlich höher ein als die der Finanzkrise.


Handwerkskammerpräsident Hugo Neugebauer freute sich über das klare Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft. "Wir Handwerker sind keine Kapitalisten", betonte er, "Handwerksbetriebe sind überwiegend Familienbetriebe". Dem Handwerk nutzten die Bestrebungen bei Wärmedämmung, Energieeinsparung und den regenerativen Energien. Gerade das Bau- und Baunebengewerbe habe in starkem Maße von dieser Entwicklung profitiert.

Keinerlei Berührungsängste mit den Grünen hatte auch Schott-Solar Pressesprecher Matthias Reinig: „Die gesamte Solarbranche hat durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen rapiden Aufschwung genommen.“ Unter anderem dieses Gesetz habe sein Unternehmen zum Weltmarktführer bei Solaranlagen gemacht.“ Wenn der Staat lenkend in den Markt eingreife, müsse das mit viel Augenmaß geschehen. Beim EEG habe das jedenfalls bestens funktioniert.

Sabine Schiedermair betonte, dass für die Katholische Arbeitnehmerbewegung der Mensch im Mittelpunkt stehe. Teilhabe und soziale Gerechtigkeit seien gerade in  Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise besonders wichtige Themen, um den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten. Jeder der Vollzeit arbeite, müsse von seinem Einkommen leben können. Während sie sich klar für einen gesetzlichen Mindestlohn aussprach (die KAB will 9,20 Euro), warnte Neugebauer davor: "Bei 9,20 Euro werden sie in der Rhön kaum einen Arbeitgeber finden, der das zahlen kann, und in München kaum jemanden, der dafür arbeiten will." Das Problem sah der Metzgermeister aus der Rhön vor allem bei den Zeitarbeitsfirmen, denen er „moderne Sklavenarbeit" vorhielt. DIE GRÜNEN wollen einen Mindestlohn von 7,50 Euro.

Mit viel Fach- und Sachkompetenz leitete Edmund Gumpert die Fragerunden, er begab sich auch ins Publikum, um die Fragen der Zuhörer einzubeziehen. „Die KAB setze sich für ein gerechtes Steuersystem ein“, so Sabine Schiedermair. Profitieren sollten vor allem Familien, zum Beispiel durch die Verbesserung der Betreuungsangebote, ohne den Eltern die Wahlfreiheit zu nehmen.

Für MdB Scheel ist die Bildung der Schlüssel zur Bewältigung der Krise, man solle nach Auslaufen des Solidaritätszuschlages darüber nachdenken, ihn in einen „Bildungs-Soli“ umzuwidmen. „Die Erstausbildung muss frei sein!“, forderte Sie unter Beifall.

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